
Johann Heinrich Gottlob Jonas wuchs in armen
Verhältnissen auf. 1778 beendete er seine Schneiderlehre in Taucha
und verdingte sich bei einem Schneidermeister als Geselle. Der Schneidermeister
hatte eine Tochter im selben Alter wie Jonas und bald waren beide ein Paar.
Als die junge Frau schwanger wurde, heirateten sie 1784 .
Doch im Moment der Heirat zeigte die Frau
ihr wahres Gesicht: Sie befahl Jonas herum, schimpfte ständig, verschlang
seinen Lohn und wurde von Tag zu Tag dicker. Der Lohn des Schneidergesellen
reichte bald nicht mehr aus und Jonas versuchte sich als Musiker. Mit seiner
Geige, die er mehr schlecht als recht beherrschte, zog er durch Gasthäuser
und Wirtschaften im Leipziger Umland und verdiente sich Geld. Ebenso spielte
er auf Familienfesten, Rummelplätzen und Feiern.
Sogar ins Haus konnte man sich den Musikanten
bestellen, der gut gekleidet war und vorzügliche Manieren besaß.
Das blieb auch den Frauen nicht verborgen. Vor allem Witwen und solche,
die es vorgaben, nahmen den Dienst von Jonas gern in Anspruch.
Aus dem armen Schneidergesellen war ein 'grand
charmeur' geworden: Er verkaufte seine Männlichkeit. Jonas arbeitete
dabei stets mit Vorkasse. Eines Tages wurde er zu einer Frau geladen, die
keine Vorauszahlung leisten wollte. Bald hatten sich beide so in den Haaren,
daß ein handfester Streit daraus wurde, in deren Verlauf Jonas der
Frau ein Messer in den Leib rammte und vor Gericht kam. Dieses verurteilte
den Mörder wegen Geldgier zum Tode durch das Schwert. Doch da geschah
etwas Unvorhersehbares:
Die Frauen gingen gegen das Urteil auf die
Barrikaden. Es hagelte Protestbriefe. Das Urteil musste geprüft und
die Hinrichtung verschoben werden. In den nächsten Jahren, in denen
Jonas im Gefängnis saß, bekam er jeden Tag Wein und Essen von
ehemaligen Kundinnen gebracht. Diese protestierten weiter gegen das Urteil:
Nicht Jonas wäre der Schuldige, seine Gattin hätte den armen
Schneider dazu gebracht, dieses Verbrechen zu begehen.
Sogar ein Spottlied wurde verfaßt: "Sein
Weib, das dicke Mopsgesicht macht allen Weibern Schande...!"
Doch all der Protest nützte nichts. Am
20. August 1799 wurde Jonas auf dem Leipziger Marktplatz hingerichtet.
Zahlreiche Frauen waren anwesend und jubelten ihrem 'grand charmeur' auf
seinem letzten Weg zu. Dieser hatte sich für den Anlaß besonders
schick gemacht und schenkte seinem Henker einen bunten Blumenstrauß,
bevor dieser ihm den Kopf abschlug.
| (Mit frdl. Zustimmung aus „Journal
Leipziger Land“, Nr. 11., Ausgabe April ‘99, Paarmann Printmedien, Nordplatz
8, 04105 Leipzig, Tel.: 03415891 07,
Fax: 03415891 04; Auflage ca. 25.000) |