In Taucha erblickte am 2. September 1761 ein Mann namens Johann Heinrich Gottlob Jonas das Licht der Welt. 
Sein Schicksal sollte 30 Jahre später viele Menschen im Leipziger Umland und in der Messestadt selber beschäftigen. Vorwiegend Frauen setzten sich für das Leben des gelernten Schneiders ein...

Johann Heinrich Gottlob Jonas wuchs in armen Verhältnissen auf. 1778 beendete er seine Schneiderlehre in Taucha und verdingte sich bei einem Schneidermeister als Geselle. Der Schneidermeister hatte eine Tochter im selben Alter wie Jonas und bald waren beide ein Paar. Als die junge Frau schwanger wurde, heirateten sie 1784 .
Doch im Moment der Heirat zeigte die Frau ihr wahres Gesicht: Sie befahl Jonas herum, schimpfte ständig, verschlang seinen Lohn und wurde von Tag zu Tag dicker. Der Lohn des Schneidergesellen reichte bald nicht mehr aus und Jonas versuchte sich als Musiker. Mit seiner Geige, die er mehr schlecht als recht beherrschte, zog er durch Gasthäuser und Wirtschaften im Leipziger Umland und verdiente sich Geld. Ebenso spielte er auf Familienfesten, Rummelplätzen und Feiern.
Sogar ins Haus konnte man sich den Musikanten bestellen, der gut gekleidet war und vorzügliche Manieren besaß. Das blieb auch den Frauen nicht verborgen. Vor allem Witwen und solche, die es vorgaben, nahmen den Dienst von Jonas gern in Anspruch.
Aus dem armen Schneidergesellen war ein 'grand charmeur' geworden: Er verkaufte seine Männlichkeit. Jonas arbeitete dabei stets mit Vorkasse. Eines Tages wurde er zu einer Frau geladen, die keine Vorauszahlung leisten wollte. Bald hatten sich beide so in den Haaren, daß ein handfester Streit daraus wurde, in deren Verlauf Jonas der Frau ein Messer in den Leib rammte und vor Gericht kam. Dieses verurteilte den Mörder wegen Geldgier zum Tode durch das Schwert. Doch da geschah etwas Unvorhersehbares:

Die Frauen gingen gegen das Urteil auf die Barrikaden. Es hagelte Protestbriefe. Das Urteil musste geprüft und die Hinrichtung verschoben werden. In den nächsten Jahren, in denen Jonas im Gefängnis saß, bekam er jeden Tag Wein und Essen von ehemaligen Kundinnen gebracht. Diese protestierten weiter gegen das Urteil: Nicht Jonas wäre der Schuldige, seine Gattin hätte den armen Schneider dazu gebracht, dieses Verbrechen zu begehen.
Sogar ein Spottlied wurde verfaßt: "Sein Weib, das dicke Mopsgesicht macht allen Weibern Schande...!"
Doch all der Protest nützte nichts. Am 20. August 1799 wurde Jonas auf dem Leipziger Marktplatz hingerichtet. Zahlreiche Frauen waren anwesend und jubelten ihrem 'grand charmeur' auf seinem letzten Weg zu. Dieser hatte sich für den Anlaß besonders schick gemacht und schenkte seinem Henker einen bunten Blumenstrauß, bevor dieser ihm den Kopf abschlug.

A. Alzleben     Quelle: Leipziger Pitaval. Walter Fellmann. Militärverlag der DDR, Berlin 1980
 
(Mit frdl. Zustimmung aus „Journal Leipziger Land“, Nr. 11., Ausgabe April ‘99, Paarmann Printmedien, Nordplatz 8, 04105 Leipzig, Tel.: 03415891 07, 
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